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Cutting Edge

Posted On Dezember 5, 2006
Dezember 05, 2006

Für uns ist es ganz einfach ein Paar neue Jeans zu kaufen. Hinein ins Geschäft, eine aussuchen, vielleicht noch auf den Preis achten, manchmal spielt das Label noch eine Rolle, bezahlen, raus aus dem Geschäft. Schon ist man im Besitz einer Hose. Aber hat sich jemals jemand gefragt, wo diese Hose her kommt? Wohl nur wenige.
Gerade hier in Australien fiel mir auf, egal welches Kleidungsstück man kauft und von welcher Marke es ist, es wurde in China hergestellt. Die Nähe zu China scheint eine logische Erklärung zu sein. Natürlich. Doch sicherlich auch die extrem preiswerte Herstellung und die damit verbundene Gewinnspanne.

Wie ich darauf komme? Nun, vor wenigen Minuten endete eine Dokumentation auf SBS, über Arbeiterinnen in der chinesischen Lifeng Factory im Süden Chinas. Unzählige Fabriken dieser Art sind in dieser Gegend angesiedelt. In der Lifeng Factory, von der berichtet wurde, werden Jeans hergestellt. Jeans für Labels wie Levis, Gucci und Prada, aber auch Jeans für Ketten wie Wal Mart. Meist sind es junge Frauen, die hier arbeiten, stolz ihre Familien zu Hause finanziell unterstützen zu können. Die meisten der Frauen beginnen im Alter von 14 Jahren hier zu arbeiten, nicht selten mit gefälschten IDs und falschen Hoffnungen.
Die Arbeitszeiten sind selten weniger als 20 Stunden, die Bezahlung sehr gering. Der erste Lohn eines Arbeitnehmers wird meist als Pfand einbehalten und erst gar nicht ausgezahlt. So verhindert man, dass die Arbeiterinnen zu früh die Fabrik verlassen. Doch dieser erste Lohn wird meist nie ausgezahlt.
Die Arbeiterinnen wohnen zu zwölft in Räumlichkeiten der Fabrik. Essen und Unterkunft wird ihnen vom Lohn abgezogen. Wer hier krank wird, verliert zwangsläufig seinen Job und wird durch jemand anderen ersetzt. Es ist nicht selten, dass die Fabrik ihre Arbeitnehmer mit den Lohnzahlungen hinhält. Oft auch monatelang, bis sich herausstellt, dass die Fabrik schließen muss und keine Lohnzahlungen stattfinden.

Das Arbeiten und Leben in einer solchen Fabrik ist sehr hart und die Ernüchterung tritt schnell ein. Freizeit und ausschlafen ist hier ein Fremdwort. Fehlen Aufträge wird die Bezahlung eingestellt.
Diese Fabriken werden von ihren Auftraggebern auch tatsächlich hin und wieder überprüft. Doch was sie nicht wissen, oder nicht wissen wollen, ist die Tatsache, dass die Arbeiterinnen vorher gebrieft werden, was sie über die Arbeitsbedingungen zu sagen haben. Und niemand sagt etwas aus Angst den Job zu verlieren, oder aus Angst vor Restriktionen. Gewerkschaften und Arbeitnehmervereinigungen sind in China verboten. Eine Zuwiderhandlung wird schwer bestraft.

Und nicht dass man denkt, es sind nur wenige Länder die hier produzieren lassen. Nein es betrifft die gesamte westliche Welt. What a shame!
Doch was dagegen tun. In China produzierte Ware boykottieren? Ich denke nicht, dass dies des Rätsels Lösung ist. Doch was ist die Lösung? Vielleicht liegt es in diesem Fall nicht nur beim Endkonsumenten den ersten Schritt zu machen. Vielleicht ist es in diesem Fall an den Regierungen der westlichen Länder ihre eigenen Steuergesetze und Konditionen für im Inland produzierende Firmen zu subventionieren. Vielleicht wäre dies ein Anfang. Doch vielleicht ist es auch schon ein Anfang mit diesem Blog auf das Thema hinzuweisen und den einen oder anderen darauf aufmerksam zu machen und zum Nachdenken zu bringen.

3 Comments

  1. azahar   5. Dezember 2006 17:11

    Schlimm das. Wenn mir die Regierung eines Landes wirklich unsypathisch ist (ausser USA), dann ist das China.
    Nichts chinesisches mehr zu kaufen, habe ich mir auch schon oft überlegt. Aber damit hilft man den Leuten dort nicht wirklich, und vor allem was soll man dann kaufen? Ist das ganze nicht in China produziert, dann in Malaysia, Taiwan, Marokko oder Rumänien. Und da sind die Arbeitsbedingungen wahrscheinlich auch nich viel besser.

    Bin ganz deiner Meinung, dass die Regierungen der westlichen Länder eine ziemlich grosse Mitschlud daran haben. Die gieren ja geradezu darauf mit China Geschäfte zu machen, da wird dann auch grosszügig alles andere übersehen.

  2. kokolores   5. Dezember 2006 21:59

    Was ich sehr bedenklich fand, war zu WM-Zeiten: Zwei Fußbälle, der eine war von Adidas, irgendwo unter erbärmlichen Bedingungen produziert, der andere war von GEPA oder irgendeiner anderen Organiosation, die Wert darauf legt, dass die Näher eine anständige Bezahlung erzahlten und unter “humanen” Bedingungen arbeiten.
    Nun rate mal, welcher Ball teurer war.
    Der von Adidas natürlich. Das nenne ich mal eine maximale Gewinnspanne: Billig produzieren, teuer verkaufen Als Marke kann man sich das “leisten”.
    Man weiß ja kaum, welche Marken “gut” sind und welche man kaufen kann.

  3. Schneegespenst   6. Dezember 2006 12:49

    Daran muss ich immer denken, wenn ich in Kleidung was lese wie Made in China,Taiwan…..Wir werden die Welt nicht mehr retten. Die Macht des Geldes ist einfach zu groß

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